Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Brief (09-06403)

Santiago de Chile, 17. November 1926.

Herrn Professor Dr. Hugo SCHUCHARDT,
Johann Fuxgasse 30, GRAZ, Austria.

Mein hochverehrter Herr Kollege!

Ich hoffe, dass Sie meine beiden Briefe vom 26/4/25 und vom 31/3/26 erhalten haben, in denen ich Ihnen für die Zusendung von “Das Baskische und die Sprachwissenschaft“ und “Der Individualismus in der Sprachwissenschaft“ bestens dankte. 1

Nun endlich erhalte ich den Separatabzug des ersten Teile[s] meiner Papiamento-arbeit [handschriftlich eingefügt] und sende ihn gleichzeitig als Drucksache.2 Das ganze wird erst in einem Jahre fertig werden, da die Anales de la Universidad jetzt nur noch alle drei Monate erscheinen “por falta de fondos!“ Der zweite Teil mit der Grammatik wird wohl in drei Wochen folgen.

Wie Sie sehen werden, bin ich ganz ihrer Ansicht über das Kreolische: es ist “gramática mínima“ aber nicht “africana“.3

Ich hoffe, dass Sie die Negermaterialien mit Genuss lesen werden und sich nicht stossen werden, wenn Sie die beiden grossen Erzählungen lesen, weil sie nicht ganz “fein anständig[“] sind. In Curazao wird das vielleicht Anstoss erregen; deshalb liess ich die Veröffentlichung ohne Übersetzung bis zum Schluss.

Nun wünsche ich Ihnen beste Gesundheit;  das ist ja das Einzige, was wir alten Leute noch brauchen.
Mit besten Grüssen Ihr dankbarer

RLenz


[1] Siehe die vorhergehenden Briefe mit den Nummern 07-06401 und 08-06402.

[2] Lenz‘ Arbeit zum Papiamentu erschien zuerst aufgeteilt in fünf Teile unter dem Titel „El Papiamento, la lengua criolla de Curazao (la gramática más sencilla)“ in den Anales de la Universidad de Chile von 1926 (darin S. 694-768, 1021-1090) und 1927 (darin S. 288-327, 366-412 und 888-989). Weder in Weiss (31986) bzw. im Nominalkatalog (digitalisierte Zettelkatalog) der Universitätsbibliothek Graz noch im Nachlassverzeichnis von Wolf (1993) findet sich ein Hinweis auf einen der Separatabdrücke. Auch das 1928 unter dem Titel El papiamento. La lengua criolla de Curazao. La gramática más sencilla erschienene Gesamtwerk (Lenz 1928) ist in Graz an der Universitätsbibliothek nicht vorhanden.

[3] Vgl. u.a. Lenz (1928: 14): „Evidentemente los niños de las familias cultas oían siempre este lenguaje en boca de la servidumbre i aprendieron a espresarse más fácilmente en esta jerga infantil con gramática minima que en los idìomas flexivos complicados de sus padres.“