Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Ansichtskarte (06-06400)

8.VII.1921
Oberschreiberhau i. Rsgb.
Landhaus Lindengarten (144)

Sehr verehrter Herr Kollege!

Nehmen Sie meinen herzlichsten Dank für die reichhaltige Sendung der Papiamentoschriften, die um so wertvoller für mich sind je älter ihr Datum. 50 u. 70-Jahre alte amerik. Bücher auftreiben zu wollen, ist fast immer vergebens. Die rein holländ. Orthographie des alten Putman ist phonetisch wertvoll, und die Imitacion di Cristu ist doch immerhin geläufigere Sprache als die Katechismen. Ich bin neugierig auf die ganz modernen Sachen, die ich von Curazao erwarte.1

Unterdessen sitze ich mit meiner Familie in diesem lieblichen Erdwinkel, nachdem ich im vorigen Monat in Hamburg das Phonet. Laboratorium, das afrik. Seminar (Meinhof),2 das romanische (Schädel, Krüger etc)3 u. das Völkermuseum etc. ausgeschunden habe. Es ist ein merkwürdig Ding nach 35 Jahren mit Jugendfreunden zusammenzukommen; hier z. B. Wilhelm Bölsche!4 Dazu all die neuen Bücher über vergl. Sprachwissenschaft. Habe eben H. Winkler, Altaische Völker-u. Sprachenwelt durchgeackert.5 Zur Ausarbeitung des Papiamento werde ich aber wohl erst nächstes Jahr in Chile kommen.

Nochmals besten Dank und die besten Wünsche für Ihr Wohlergehen. Ihr ergebenster
R Lenz


[1] In der Bibliographie zum Papiamentu nennt Lenz (1928: 18-29) ausführlich seine Quellen und erwähnt dabei auch die Schriften, die „im Besitz“ von Schuchardt sind. Von diesen 25 Quellen hebt er sieben hervor, die ihm Schuchardt überlassen habe. Als Grund dafür gibt Lenz an, Schuchardt habe von diesen sieben Quellen offenbar doppelte Exemplare besessen (1928: 18-21). Die von Lenz erwähnten Werke sind:
- I. H. S.. 1851. Keda lamantar i reza! Oen present pa moetsja nan arieba dia di nan promeer santa komoenion. Santa Rosa. - Putman, J. J.. 1852. Bida di Hesoe Kriestoe. Santa Rosa.
- 1853. Gemeenzame Zamenspraken, behoorende by de: Proeve eener Hollandsche Spraakkunst, ten gebruike der algemeene armenschool, in de gemeente van de H. Rosa, op Curaçao. Tweede stukje door J. J. Putman. Santa Rosa.
- 1853. Meditasjon arieba soefrimeentoe di noos Senjoor Hesu Kriestoe. Historia, exemplo i orasjon, pa J. J. Putman, Pastoor; i soe roeman, Joanna Adr. Putman, fundadora di skool pa moetsja moheer pober na Sta. Rosa. Imprimier na Santa Rosa.
- 1853. Oen Floor, ki J. J. Putman ta boeta arieba sepoelkro di soe roeman stimaar Joanna Adriana Putman. Imprimier na Santa Rosa.
- 1876. Guia para los españoles hablar papiamento, i viceversa, para que los de Curazao. Imprenta del Comercio.
- 1879. Canticanan Religiosa. Segunda edicion, Curazao.
- 1882. Cuater Boeki di Imitacion di Cristoe. Curazao. Imprenta de la Librería.
Es konnte bislang nicht geklärt werden, ob und wenn ja, wo sich Schuchardts Materialsammlung zum Papiamentu erhalten hat. Im Nachlassverzeichnis von Wolf (1993) finden sich keine Hinweise auf diesbezügliche Manuskripte. Soweit die Herausgeber sehen, gibt es nur sehr wenige Hinweise auf gedruckte Papiamentuquellen in Weiss (31986) bzw. im Nominalkatalog (digitalisierte Zettelkatalog) der Universitätsbibliothek Graz. Keine der von Lenz aufgezählten Schriften ist darunter. Die Herausgeber konnen bislang nur ein Nederlandsch-papiamentsch-spaansch woordenboekje (Ewijk 1875) (Signatur I 221792) und eine Woordenlyst en zamenspraak von 1876 (Signatur I 22189) in Graz ausfindig machen; beide Werke sind Schuchardts Exlibris versehen und werden auch von Lenz (1928) zitiert.

[2] Carl Friedrich Michael Meinhof (1857-1944) war ein deutscher Afrikanist, ab 1909 in Hamburg Lehrstuhlinhaber, ab 1933 Mitglied der NSDAP.

[3] Bernhard Schädel (1878-1926) begründete 1911 das Seminar für Romanische Sprachen und Kultur und 1917 das Ibero-Amerikanische Institut in Hamburg, ab 1919 war er ordentlicher Professor für romanische Philologie. Der Romanist Fritz Krüger (1889-1974) war ab 1924 außerordetlicher und ab 1928 in Nachfolge Schädels ordentlicher Professor für romanische Philologie in Hamburg. Wie auch Meinhof war er bekennender Nationalsozialist und ab 1937 NSDAP-Mitglied.

[4] Möglicherweise handelt es sich um den Schriftsteller Wilhelm Bölsche (1861-1939), der zur selben Zeit wie Lenz in Bonn studierte und später in Berlin zum Friedrichshagener Dichterkreis gehörte.

[5] Gemeint ist Die Altaische Völker- und Sprachenwelt von Heinrich Winkler (1921).