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Brief (05-06399)

Hamburg, 36. Ibero-amerikanisches Institut.
Rotenbaumchaussee
25. Juni 1921.

Herrn Geheimrat Prof. Dr. Hugo Schuchardt,
GRAZ, Joh.-Fuxgasse 30.

Sehr geehrter Herr Kollege!

Nehmen Sie meinen herzlichsten Dank für die freundliche Zusendung der Litteraturangaben über das Papiamento.1 Ich habe noch eine Reihe anderer Angaben aus der Encyclopaedie van Nederlandsch West-Indië (ed. Benjamins u. Sneileman, Leiden, 1914-17) herausgefunden. Es scheint aber dass eine wissenschaftliche Untersuchung noch nicht existiert.

Wenn Sie mir Ihre doppelten Exemplare zur Verfügung stellen wollen, so werde ich Ihnen sehr dankbar sein. Die obige Adresse genügt, auch wenn ich unterd[esse]n weitergereist sein sollte. Aus Ihrer Schrift über die Samarakkasprache [sic]2 ersehe ich, dass grosse Ähnlichkeit im Verfahren zwischen diesem u. dem Papiamento besteht; nur dass eben hier die Wörter wesentlich spanisch sind. Ich glaube, dass meine Texte einige Bedeutung haben, weil es eben die wirklich von dem Neger ohne gelehrten Einfluss gesprochene u. geschriebene Sprache ist, worüber man bei den Übersetzungen nie sicher sein kann.

Heute halte ich hier in der Universität einen Vortrag über „Die Erziehung des deutschen Kindes im spanischen Ausland“, natürlich speziell über die chilenischen Verhältnisse. Im Juli gehe ich wahrscheinlich mit meiner Familie (Frau, Tochter u. zwei Enkelinnen) nach Schreiberhau. Im August nach Bonn, Frankfurt etc. u. zum Oktober nach Spanien.

Mit den besten Wünschen für Ihr Wohlergehen und nochmals bestem Dank verbleibe ich Ihr ergebenster
RLenz

Gatchet habe ich schon eingesehen.3 Er bietet nichts wesentliches. Ich hoffe von Bethencourt4 aus Curazao weiteres Material zu erhalten.


[1] Lenz erwähnt in der Einleitung zu El Papiamento, Schuchardt habe ihm „una lista de 31 títulos de publicaciones en papiamento, o estudios sobre esta lengua que poseía, editados entre 1843 i 1891“ (Lenz 1928: 10) geschickt. Lenz scheint außerdem aus einem Brief von Schuchardt zu zitieren, wenn er schreibt: „Respecto del Papiamento escribió Schuchardt: ‚Yo mismo he mencionado el papiamento sólo ocasionalmente. Creía siempre, que, siendo suficientemente conocido, merecería algún día un tratamiento serio de alguna otra persona. Nunca lo he perdido de vista‘“ (Lenz 1928: 11).

[2] Gemeint ist Schuchardts (1914) kreolistisches Spätwerk Die Sprache der Saramakkaneger in Surinam.

[3] Albert Samuel Gatschet (1832-1907) veröffentlichte in „The Aruba Language and the Papiamento Jargon“ (Gatschet 1885) u.a. Papiamentosprachproben, die von Alphonse Pinart (1852–1911) gesammelt worden waren. Beide, Gatschet und Pinart, korrespondierten mit Schuchardt, vgl. die Briefe von Gatschet (Nr. 03574-03591) und von Pinart (Nr. 08837-08842) im Nachlass Schuchardts.

[4] Vermutlich ist der Verlag „A. Bethencourt é Hijos“ auf Curaçao gemeint.