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Brief (1-400)

Zumárraga, d. 4. Juni 1920 Guipuzcoa

Sehr geehrter Herr Professor,

Zwar ist mir leider Ihre Adresse unbekannt, ich möchte Ihnen aber doch auf gut Glück schreiben, obwohl dieser Brief in Ihre Hände gelangt.
Die Anregung zu diesem gab mir ein Artikel von Ihnen über die Baskische Sprache, den ich in der Revue Internationale des Études Basques fand und der mein Interesse im höchsten Grade fesselte. Ich selbst bin hier im Lande geboren und aufgewachsen, verliess es jedoch mit 12 Jahren und besuchte nach 6 jährigem Aufenthalt in der Landesschule Pforta (b. [N]aumburg a. d. Saale), die Universität Göttingen, wo ich 4 Semester lang rom. u. engl. Philologie bei den Professoren Stimming und Morsbach hörte. Nachdem mir nun die Beendigung des Krieges erlaubt einige Monate im elterlichen Hause zuzubringen, wende ich mich mit hohem Eifer der [ ]rad[ 1 meiner Jugend zu, die mich ganz und gar in Anspruch nimmt. In diesem Zusammenhange werden Sie verst[eh]en in wie grosse Freude mich Ihr wissenschaftlicher Artikel verset[z]t hat, im Gegensatz zu den hier üblichen mittelalterlichen, phantasievo[llen] und ganz unwissenschaftlichen Arbeiten über die Sprache, die leider di[e] meisten von den leider nur wenigen Baskenforschern ve[r]fertigen. Denn jeder der sich nur ein wenig mit Baskisch beschäftigt [h]at, meist sind es Geistliche, glaubt sich im Stande die [w]agha[l]sigsten Hypothesen und Etymologieen im Stile Larramendis aufzustellen, ohne einmal genau Lateinisch zu verstehen, geschweige denn von Etymologieen auch nur geringe Kenntnis zu haben.
Der Zweck meines Schreibens ist nun der, Ihnen alle meine Kräfte in jeder Hinsicht zur Verfügung zu stellen, fal[l]s Sie Auskünfte haben möchten über Dinge die man nur an Ort und Stelle erfahren, wie Dialekte, Phonetik usw. Ich weiss nicht, ob ich bei meinem verhältnismässig kurzen Aufenthalt mö[gl]ich ist, [t]iefer in die Sprache u. ihre Mundarten einzudringen, doch habe ich schon manches Interessante über den Dialekt des Oberen Guipuzkoa aufgezeichnet. Jedenfalls mögen Sie [f]ür [l]ieb nehmen mit meinem guten [H]ilfen.
Eine Tatsache aus Ihrem Artikel: “Zu Vinsons Syntaxe Basque” lässt sich vielleicht durch Analogieen mit dem Dialekte von goyerri erklären.
Sie schreiben: zenakizu mit einem mir allerdings rätselhaften zu. Hier in Legazpia, Zumarraga, Oñate usw. ist dieses zu ganz regelmässig zu [f]inden, vielleicht in Angleichung an das Präsenz dakizu, und weil man eine eigentliche Partikel der 2. Pers. vermisst. So sagt man neben eman zenidan auch zidazun ([wohl] über *zenidazun), für giñion auch giñogun (was man sogar geschrieben findet), zekizun für *zeñekizun, zenekien, esan ziozun für esan zenion, zeramazun für zeneramazun, zeneraman. Es scheint also überflüssig hinzugefügt um die 2. pers. sg. (bzw. 1. pl.) zu verstärken.
Indem ich mich Ihnen nochmals für alle Ihre Wünsche empfehle verbleibe ich in der Hoffnung, dass dieser Brief in Ihre Hände gelangt.

Ihr ergebener
Gerhard Baehr
stud. phil. et chem.

Zumárraga, Guipuzcoa
Nord Spanien.


[1] Falta el principio y el final de esta palabra. Al principio hay más o menos dos letras y al final una.