Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Brief (06-10281)

Graz 23 Juli '14

Hochwürdiger Herr und Freund,

Ich mußte meinen Brief neulich abbrechen, weil ich mich zu wenig wohl fühlte. Zwar fühle ich mich jetzt nicht besser, schreibe aber dennoch die Fortsetzung, um Mißverständnissen vorzubeugen. Jene Bändchen ließ ich Ihnen nicht etwa zukommen, um Ihnen ihr Studium zu empfehlen; sie sollten Ihnen bloß zeigen wie diejenigen Wissenschaftsgebiete, auf die es Ihnen ankommt, bei uns in populärer Weise dargestellt werden. 1) Sprachphysiologie und Sprachpsychologie 2) allgemeine Sprachwissenschaft: Typen-Verzeichnis der sämtlichenSprachen der Erde. 4) Einführung in die indogermanischen SprachW, diese leider nicht ohne manche Fehler. Alles nur um gelegentlich zu Rate gezogen zu werden. Meillets Introduction, welche sich dem Inhalt nach mit 4) deckt, ist natürlich vorzuziehen; aber sie ist umfangreich. Und umfangreich sind die französischen Bücher die ich Ihnen empfehlen könnte. Ich glaube daß deutsche Bücher ersten Ranges wie die von H. Paul Prinzipien der Sprachgeschichte und W.Wundt die beiden Bände über die Sprache in seiner „Völkerpsychologie“ wohl für Sie nicht in Frage kommen und so wird es doch schließlich am Besten sein wenn Sie sich mit den einerseits nicht ganz kompendiösen, anderseits nicht ganz wissenschaftlichen Büchern von Dauzat bekannt machen. Essai de Méthodologie linguistique dans la domaine des langues et des patois romans 1906 – La vie du langage 1910 – La philosophie du langage 1912. – Unter den etwas älteren Werken der französichen sprachwissenschaftlichen Litteratur möchte ich noch M. Bréal La Sémantique hervorheben.

Ehe ich noch Näheres von Ihnen über die Academiavasca vernommen habe, möchte ich Ihnen raten diesen Plan vorderhand zurückzustellen. Es handelt sich da um Etwas wobei Alle ein Recht zu haben glauben und auch wirklich haben mitzureden und wozu nur wenige mit hinlänglich guter Urteilskraft zu reden vermögen. Glauben Sie dem Erfahrenen: totcapita, tot sensus.

Unter Ihren Projekten vermisse ich schmerzlichst eines: das auf die Vollendung Ihres schönen großen lexikalischen Werkes abzielende.

Wenn ich diese üble Nervenperiode überwunden habe, stehe ich weiter zu Diensten.

Mit herzlichem Gruß
Ihr erg.

HSchuchardt