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Brief (10-11768)

Wien, 5. Mai 1914.

Sehr geehrter Herr Hofrat!

Während meiner spanischen Reise, die ich vom 15. März bis zum 30. April dieses Jahres gemacht habe, ist etwas furchtbares geschehen. Herr Hofrat Professor Exner hat mir am 23. März mein Schreibmaschinen-Manuskript über die phonographische Ausbeute im Baskenlande1 nach Granada nachgeschickt ---- und bis zum heutigen Tage ist dieses unglückselige Schriftstück nicht in meine Hände gelangt. Auf dem Postamt in Wien, wo mein Werk aufgegeben wurde, versicherte man mir, dass es mindestens 2 Monate dauern würde, bevor es von Spanien aus wieder in meinen Besitz gelangen könnte. Nun wage ich es, im Verein mit Herrn Hofrat Exner, Sie, sehr geehrter Herr Hofrat, vielmals zu bitten, ein zweites Exemplar, welches ich Gott sei Dank besitze, gütigst durchzusehen und mit denselben Bemerkungen auszustatten, wie das erste seinerzeit. Ich bitte vielmals um Entschuldigung, wegen dieser grossen Belästigung, aber in unserer Verzweiflung wissen wir uns keinen andern Rat.

In der Hoffnung, keine Fehlbitte zu tun, wo es sich doch um eine gute Sache Ihrer Wissenschaft handelt, bleibe ich

Ihr ganz ergebener Dr Rudolf Trebitsch

P.S. Bitte um baldigste Antwort, damit ich dann sofort mein Manuskript einsenden könne.

Das Warten auf die eventuelle Rücksendung des Manuskripts aus Spanien hätte auch den grossen Nachteil, dass man damit in die Sommerferien hineinkäme und sich die ganze Affäre dadurch ungeheuer in die Länge ziehen würde.


[1] Dieses erscheint als Rudolf Trebitsch: Baskische Sprach- und Musikaufnahmen ausgeführt im Sommer 1913, in: Anzeiger der phil.-hist. Kl. der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, 11, 1914 (= 34. Mitteilung der Phonogramm-Archivs-Kommission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien), S. 1- 31.