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Brief (01-03323)

Utrecht 30 Sept. 1905

Hoch verehrter Herr Kollege

Sehr bedauere ich das vergnugen Ihres besuches gemisst zu haben. Ich hätte Ihnen vieles zeigen können, da ich vieles in original und in abbildung gesammelt habe. Eigentlich bin ich kein Ethnographe; mein eigentliche arbeit liegt auf dem gebiete der altsächsischen wort- und grammatikforschung. Aber grade [sic] die wortforschung und die untersuchungen über die grenzen der alt- und neusächsischen dialecte haben mich dazugebracht in meinen ferien näheres zu untersuchen über das volksleben, anfangs im osten des landes, später auch mehr nach westen, und endlich über das ganze land. Dass hatt [sic] sich zu den kenntniss der sachen gesellt die lust die objecte zu sammeln und |2| in einem museum zusammen zu bringen was für die kenntnisse unserer volksgeschichte wichtig ist und was jetzt noch zu haben ist bald aber nicht mehr. Hierfür habe ich in Zeitungen und in Zeitschriften geschrieben. Da ich aber meinte dass so ein museum am besten in Amsterdam zu hause war, hat das Leidener Museum sich gegen mich gekehrt und alles getan um diese sache als etwas unmögliches und lächerliches vorzustellen. Und was geld kosten muss bekommt leicht sehr viele gegner. So sind es nur wenige leute in Holland die sich für meine ansichten erklärt haben. Vielleicht dass es etwas nützt[1] wenn aus der fremde eine stimme kommt, die für ein volksthümliches Hollandisches eine lanze bricht, aber ich weiss es nicht. |3| Es gibt hier im lande genug, und wenn ich nur ein gutes gebäude hatte dann würde ich bald ein ganz nettes Museum haben.

Ich sende Ihnen nach Graz, da Sie Holländisch lesen, eine Zeitung welche aufsätze enthält über meine vorlesungen in Amsterdam.[2] Diese können Sie behalten. Dann füge ich hinzu ein aufsatz von mir „Een museum van Nederl. Volkskunde“.[3] Das bitte ich Sie zurückzusenden. Dann werde ich Ihnen zusenden lassen eine numero der Driemaandel. bladen voor Volkskunde.[4] Hierin werden Sie vieles finden auch über die spindel.

Jetzt zu beantwortung der fragen.

Es giebt nur zwei national holl. kreisel[.] Alle andere werden eingeführt.

kreisel = ndl. dial. tol, drijftol, top, priktol. |4|

spindel. ich kenne drei spindel

1. het schippers spinnewiel - das ziemlich hoch ist

2. das gewöhnliche „ „ und

3 ein sehr langes so wie ich es auch in Wales gesehen habe.

Spinnsteine aus römischer und nachrömischer zeit finden sich noch in den meisten museën.

die handhaspel kenne ich nur aus abbildungen[;] gewöhnlich ist diese [bild] (sie ist schlecht gezeichnet in der eile).

garnwinde

Ich kenne [bild] [bild] [bild]

a im osten von Gelderland

b in nord overijsel

c in Friesland, Groningen

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Hiermit muss ich meine mitteilungen beschliessen. Grüsen Sie Prof. Meringer und bringen Sie Ihm meinen dank für seine Pflugstudien. Gerne zu weiteres bereit

hochachtungsvoll Ihr ergebenst

J. H. Gallée



[1] Mit einem Pfeil nach vorne umgestellt.

[2] Es liegen keine Informationen vor.

[3] Gallée, Johan Hendrik. 1904. ‚Een museum van Nederlandsche Volkskunde‘. In Onze Eeuw 4: 266-281.

[4] Die Zeitschrift Driemaandelijksche Bladen wurde seit 1902 von der Vereeniging tot Onderzoek van Taal en Volksleven in het Oosten van Nederland veröffentlicht.