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Brief (5-404)

Zumárraga, d. 18. I. 1921
Nord Spanien

Sehr geehrter Herr Professor!

Leider verhinderte mich ein längeres Unwohlsein, Ihnen s[o]fort für Ihre Karte zu danken und zu den Festen Glück zu wünschen. Nachträglich möchte ich nun noch die Hoffnung aussprechen, dass Ihnen das neue Jahr nur Gutes und Erfreuliches bescheren möge, vor allem aber eine Festigung Ihrer Gesundheit, so dass noch viel von Ihrer unerschöpflichen Schaffenskraft erwartet werden kann, was ich in Anbetracht des hier allmählich erwachenden Interesses für das Studium der Sprache um so sehnlicher wünsche. Herzlich danken möchte ich Ihnen für das Interesse, das Sie mir hinsichtlich meiner Studien und meiner späteren Pläne entgegenbringen. Eigentlich war es meine Absicht, mich ganz der Sprachwissenschaft zu widmen, besonders den neueren Sprachen. Leider hat der Krieg mit seinem unglücklichen Ausgang diese Absicht vereitelt, da in Deutschland kein Unterkommen zu finden wäre und die Sprachwissenschaftler hier im Auslande sich sehr kümmerlich durchschlagen müssen. In Anbetracht dieser Zustände habe ich mich entschlossen, das Studium der Chemie einzuschlagen, für das ich schon früher reges Interesse hatte, hoffe aber nebenbei noch genügend Zeit zu haben, um mich etwas der Philologie zu widmen. Ich gedenke, wenn ich Ostern nach Göttingen zurückkehre, neb[en] chemischen vielleicht noch altfranzösische und altenglische Vorlesungen weiterzuhören. Oder könnten Sie mir im Zusammenhang mit dem Baskischen das Studium irgend einer anderen Sprache empfehlen? Leider ist in Göttingen die Auswahl nicht allzu reich; es gab z. B. seinerzeit nicht einmal spanische Vorlesungen. Auch das wissenschaftliche Studium des Baskischen will ich dann eifriger betreiben, das ich gegen meinen Willen etwas liegen lasse, um mich durch möglichst vieles Reden und Hören und durch Streifzüge in die benachbarten Mundarten in die Sprache, wie sie jetzt ist, hineinzuvertiefen und mir wenn möglich baskisches Denken zu Eigen zu machen. Dazu gehört aber viel mehr Übung als ich zu Anfang dachte. Kürzlich auf einem Ausfluge an die Meeresküste zwischen Ondarroa un[d] Zarauz hatte ich reiche Gelegenheit zu Beobachtunge[n]. Besonders konnte ich feststellen, wie das bizkainische und das gipuzkoanische, die hier in Legazpia und Oñate sehr scharf von einander getrennt sind, allmählich ineinander übergehen. Ich versuche in allen Orten, durch die ich komme, so weit es geht, die Konjugation aufzuzeichnen. So sagt man z. B. in Deva für (zait, zaizkit; zaizu, zaizkizu) usw.: zat, zazt; zatzu, zatzuz; zako, zakoz; zaku, zakuz; zakobe, zakobez. Ebenso in der Vergangenheit statt: (zitzaidan, zitzaizkidan; zitzaizun, zitzaizkizun) usw.: zitzatan, zitzazten; zitzatzu[n], zitzatzuzen; zitzakon, zitzakozen usw. Für (du, dute) deu, debe. Für (nuen, zuen, zuten) neban, zeban, zeben. Für (dizut, dizkizut, dizkizu, dizkiot, dizkiote, dit, dizkit) dizut, dizuzt, dizuz, diozt, diobez, ditx, dizt.

Für (zizkioat, zizkionat) sagt man ziozt, zionazt. Für (zizkiok, zizkion) ebenfalls ziozk, ziozan, usw. Auch in der einfachen Konjugation geht das Objektpluralzeichen dem Subjekt bald vor, bald nach, z. B. von euki bildet man dazkat, dakazuz, dakaz, von ekarri dakarzt, dakarzuz, dakarz... In Zumaya entdeckte ich auch die Form dazkit, von der ich im letzten Brief schrieb, doch ist sie hier sicher zusammengezogen von dakizkit; den[n] man sagt in Zumaya allgemein z. B. zezkiat für (zekizkiat), dizkazu für (dizkidazu), dizkot für dizkiot usw.

Es ist äusserst bedauerlich, dass sich noch keiner gefunden hat, der die ganzen mundartlichen Verschiedenheiten des Zeitwortes in Gipuzkoa zusammengestellt hat, was sicherlich nicht so schwer wäre. Ich selbst hätte es mit grossem Eifer unternommen, wenn ich nur mehr Zeit und Gelegenheit gehabt hätte. Vielleicht komme ich dazu nach Beendigung meiner Studien in Deutschland, wenn sich nicht inzwischen jemand anders daran gewag[t] hat. Ich nehme an, dass dieses in etwa 4-5 Jahren der Fall sein wird, und da in Deutschland sicher keine Stelle zu finden wäre, so liegt es am nächsten wieder hierher zurückzukehren. Auch jetzt schon kommen zahlreiche Deutsche a[l]ler Berufszweige hierher und werden mit offenen Armen empfangen; denn da ja die sehnsüchtig erwarteten deutschen Waren ausbleiben und wohl auch noch länger Zeit ausbleiben werden, sucht man alles möglichst i[m] Lande anzufertigen und da die Unterweisung fehlt, zieh[t] man immer mehr deutsche Qualitätsarbeiter ins Lan[d]. Die Industrie hat sich in den letzten 30 Jahren, seitdem mei[n] Vater ins Land kam, sehr stark entwickelt. Damals gab es nur Mühlen, heutzutage ist jedoch jeder kleine Waldbach ausgenutzt zu Kraft- oder Lichtanlagen. Sogar hier in Legazpia gibt es mehrere Fabriken, deren eine weit über 100 Arbeiter beschäftigt. Mit deutschen Verhältnissen lässt sich natürlich die hiesige Industrie bei weitem nicht vergleichen, aber für Spanien ist sie sehr rege. Hoffentlich ist es mir später auch einmal vergönnt, an ihr Anteil zu nehmen. So denke ich mir die nächste Zukunft, aber gerade in den letzten Jahren ist ja alles ganz anders gekommen, als man gedacht hat.

Einige Beobachtungen möchte ich noch erwähnen, die ich in Vergara gemacht habe. Ich konnte nichts mehr feststellen von der im Verbe Basque des Fürsten Bonaparte erwähnten Tatsache, dass die obersten Schichten die einheimische bizkainische Mundart verachten und sich des reinsten uipuzkoanischen bedienen. Dafür scheinen manche guipuzkoanischen Formen neben den bizkainischen gebraucht zu werden, wenigsten[s] von den Städtern. So hörte ich sie neben zagoz das zaude von Beterri und sogar das zare von Goyerri häufig nebeneinander gebrauchen, auch dare, daude, dagoz, und ähnliches, aber immer nur dot, dabe, neban, zeban (3. pers.), dotsut, dotsat. Im Zusammenhang mit den Unregelmässigkeiten des Verbums izeki im Imperfekt zizekagun, aus der Léon in der Rev. I. eine Theorie über 2 Imperfekta ableitet, stellte ich hier ganz ähnliche Formen fest z. B. zotsagun neben gotsan, zeuzkagun wir hatten, zekigun, zekargun usw. Diese sind augenscheinlich unter Einfluss des Präsens na[ch] zekarzun für zenekarren, zekizun für zenekien usw. gebildet. Ob nich[t] izeki derselben Erscheinung seine Unregelmässigkeit zu verdanken ha[t]. Nun möchte ich schliessen, um die Absendung des Briefes nicht noch weiter zu verzögern.

Seien Sie nochmals meines wärmsten Dankes versichert für das mir gewidmete Interesse und herzlich gegrüsst mit den besten Wünschen für Ihr Wohlergehen.
Ihr
G. Baehr

Konjugation von “det” in Legazpia u. Oñate

Die von der kürzlich gegründeten Akademie verlangte Rechtschreibung, deren ich mich bediene, ist folgende:

a, e, i, o, u, ü (ã, ẽ, ĩ, õ, ũ, ü ), b, d, dd, f, g, h, j, k, l, ll, m, n, ñ, p, r, rr, s, x, t, tt, ts, tx, tz, y, z.

Es folgt das Präsens von det, bezw., dot, nebeneinander die Formen aus Legazpia u. Oñate.

Ich es Ich sie Ich dir
det, dot dittut, ttut dizut, dotzut
dezu, dozu dittuzu, ttuzu
du, dau dittu, ttu dizu, dotzu
de(g)u, do(g)u dittu(g)u, ttugu dizu(g)u, dotzu(g)u
dezué, dozué dittuzue, ttuzue
dué, daué dittue, ttue dizue, dotzue

Ich euch Ich ihm Ich ihnen
dizuet, dotzuet diot, xat di(o)et, xat
diozu, xatzu di(o)ezu, xatzu
dizue, dotzue; dio, xau; di(o)e, xau
dizue(g)u, dotzuegu; dio(g)u, xa(g)u; di(o)egu, xa(g)u
diozue, xatzue; di(o)ezue, xatzue
dizue, dotzue; dioe, xaue; di(o)e, xaue

Du mir Du es uns Ich dich
zaittut, zaut
ddiazu, doztazu di(g)uzu, dozkuzu
dit, dozt di(g)u, dozku zaittu, zau
zaittugu, zaugu
ddiazué, doztazue di(g)uzue, dozkuzue
ddié, doztai di(g)ue, dozkue zaittue, zaue

Ich euch Du mich Du uns
zaittuet, zauet
nazu, naizu gaittuzu, gaittuzu
zaittue, zaue nau, nau gaittu, gaittu
zaittuegu, zauegu
nazue, naizue gaituzue, gaittuzue
zaittue, zaue naue, naue gaittue, gaittue

Imperfekt
Ich es Ich sie Ich dir
non, neben nittun, nittuan nizun, notzun
zendún, zeben zittuzun, zittuzun
zenduzen
zinitun
zon, eben zittun, zittuan zizun, otzun
zendún, geben genduzen, gituan
giñitun
ginizun, geutzun
otzugun
zenduén, zeuen zenduzten, zituzuen
zuén, eyen
ebain
ebein
zittuen, zittuen zizuen, eutzuen

Ich euch Ich ihm Ich ihnen
nizuen nion, notzan ni(o)en
ziñion, zotzan
ziozun
ziezun
zizuen zion, otzan zi(o)en
ginizuen giñogun, gotzan
giñion
giñegun
ziozuen, zotzain ziezuen
zizuen zioen, otzain zi(o)en

Imperfekt
Du es mir. Du es uns Ich dich
zinduan, zinduan
ziazun, noztazun
zenian
ziuzun, ozkuzun
zian, noztan zi(g)un, ozkun zindun, zinduan
zinduun, zindugun
ziazuen, noztazuen zi(g)uzuen, ozkuzuen
zien, noztain zi(g)uen, ozkuen zinduen, zinduen

Ich euch Du mich Du uns
??
ninduzun, ninduzun
nindun, ninduan
ginduzun, gindu[zun]
gindun, gindu[an]
ninduzuen, ninduzuen
ninduen, ninduen
ginduzuen,ginduzu(t)[uen]
ginduen, gindu(t)[en]

Einige Formen von naiz:
Ich bin Er zu mir, zu dir, zu ihm usw.
naiz, naiz zat, xat
z(er)a, za(r)a zatzu, xatzu
da, da zako, xako
g(er)a, ga(r)a

zaku, xaku

z(er)ate, zarai zatzue, xatzue
die, di(r)a zaye, xako

Ich war
nitzen, nintzan zitzetan, xatan
zitan
ziñen, ziñan zitzezun, xatzun
zitzun
zan, zan zitzekon, xakon
zikon
giñen, giñan zitzekun, xakun
zikun
ziñeten, ziñain zitzezuen, xatzuen
zitzuen
zien, zi(r)an zitzeten, xakon
zizten

Andere Beziehungen als diese beim intrans. Verbum sind in Oñate selten in Legazpia ganz unbekannt. So weit ist der Verfall der Konjugation schon fortgeschritten! Übrigens geht die Jugend noch weiter. Für sie gibt es ausser den allernotwendigst[en] keine Verbalbeziehungen mehr. Bei den transitiven Verbum fehlt überall d[er] Plural von dizut (= dizkizut) diot (= dizkiot, diozkat) usw. Im inneren Bizkayas sollen die richtigen Formen noch gebrauch[t] werden. Für das guipuzkoanische kann ich sie selbst bezeugen, da ich sie bei Tolosa gehört habe. Dieser Verfall ist überall sehr gross, wo das Denken der Leute schon beinahe spanisch ist.