Brief (04-02210)

Leipzig 24 Febr 1870

Geehrter Herr Doctor,

Ihre Habilitationsangelegenheit ist jetzt so weit vorgerückt, dass ich in einigen Tagen in der Lage zu sein hoffe, Sie bestimmt zum Colloquium einzuladen. Ehe ich dies aber thue, frage ich bei Ihnen an, ob es Ihnen genehm ist am Mittwoch den 2 März oder einem der zunächst folgenden Tage zu diesem Zweck hieher zu kommen. In diesem Falle würde sich, den günstigen Ausfall des Colloquiums vorausgesetzt, Ihre Angelegenheit bald dahin führen lassen, dass der Druck der Habilitationsschrift beginnen könnte, und in weiterer Folge davon würde, wenn Sie die Ferien zur Ausführung des Drucks benutzten, von unsrer Seite nichts im Wege stehen die Probevorlesung zu Anfang des Sommersemesters, das officiell den 19 April beginnt, vorzunehmen und Ihr Wunsch, wo möglich schon im nächsten Semester Vorlesungen zu halten, liesse sich auf diese Weise erfüllen.[1] |2|

Von einer Disputation kann jetzt ganz abgesehn werden, da inzwischen das Ministerium unsre neue diesen Act ausschliessende Habilitationsordnung genehmigt hat.

Ihrer gefälligen Antwort entgegensehend verbleibe ich

hochachtungsvoll

Ihr

ergebenster

Georg Curtius



[1] Die ersten Vorlesungen hat Schuchardt laut den Historischen Vorlesungsverzeichnissen der Universität Leipzig (http://histvv.uni-leipzig.de/) im Wintersemester 1870 gehalten (Ueber Vulgär- und Mittellatein, Boccaccio's Decamerone und Walachisch).