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Brief (061-01098)

Leitmeritz 13/12 1883

Verehrter Freund!

Herzlichen Dank für die nette Abhandlung Tintín, wenn Sie mir die Adresse des spanischen Autors mittheilen wollten, so könnte ich ihm weitere Beiträge verschaffen, nachdem ich bei meinen Kindern ähnliche Beobachtungen angestellt und alles schriftlich aufgezeichnet habe. Hier Propaganda für ähnliche Beobachtungen zu machen halte ich für vergebliche Mühe, der einzige, der darauf eingienge wäre mein Collega Vogrinc, ich werde ihm zur Aufmunterung die Abhdlg. in's Deutsche übersetzen. Die anderen Leute dienen nur dem Bauche und der höheren Politik, jeder, der wissenschaftlich arbeitet, erscheint ihnen als ein ungefährlicher Narr.

Gerade einige der besseren, die nur aus Faulheit nicht weil desunt vires die Hände in den Schoß legen, kommt noch- es ist lächerlich dies zu sagen aber wahr – eine Art von Neid dazu, die mir beim Einsammeln der böhmischen Notizen sehr hinderlich war. So hat man auch gegen Collegen Peters' Dialectforschungen eine passive Agitation entwickelt "damit der K... nicht wieder was z'sammenschmiert", das hat ihn hauptsächlich so verbittert und ihn zu jenem Sonderling gemacht als den Sie ihn durch sein gransilentium unangenehm kennengelernt haben. Ich selbst bin zu liederfroh und lebenslustig, als dass mir ein ähnliches Geschick drohte: jeden Ärger verpafft eine Cigarette türkischen Tabaks zu nichts.

Pardo de Tavera scheint in der That etwas gekränkt zu sein, wie ich aus seinen melancholischen Mittheilungen entnehme, wodurch? werde ich wohl erfahren können.

Ich besitze zum Glücke noch einige, aber sehr schäbige Exemplare meines Vocabulars, ich werde das "schönste" heraussuchen und dem Sr. Bétancès1 (Franzose?) übersenden. Ich werde ihm spanisch schreiben, denn mein Französisch ist ein Frances de cocina, ich würde mich entschieden blamieren. Um auf Pardo de Tavera noch einmal zurückzukommen, so muss ich gestehen, dass ich ihn sehr liebgewonnen habe, insbesondere desshalb, weil er nicht an die Gottähnlichkeit der spanischen Rasse glaubt, wie seine meisten Landsleute. Es ist merkwürdig, dass auch er die Annexion der Philippinen an Preußen fürchtet!! Das ist nicht eine Ansteckung durch das Pariser Contagium, sondern dies glaubte 1874 selbst die spanische Regierung. Da fällt mir der Spruch meines Hausarztes ein: "Es ist merkwürdig, was oft die Kindlein für Ärschlein haben."

Herzliche Grüße
von Ihrem getreuen

F. Blumentritt

Palatschinken mir ganz u. gar unbekannt.

Böhmische Dalken s = ss

ç = slavisches z

k = slawisches k

Sog' ich Inne wenn Prufesr Helle (Heller) nicht sich schunt, wirste

sterbn misn, denn bei sulichene Wettr ausgen, nåch dåzu af de Jågd is

konz gegen oles Kwisn. Wer (Wär') mir ser lad um Prufesr Helle, wail

içe sich kor (gar) su líbr Her, wås håt āch (auch) imme gut behandelt ti

(die) Študentl und xen af Ordnung im Kabinet.

Hait Kochme nur Erteppl, seinçe ser meelich, wullns kustn?

Håbençe2 alço wider Kindele und a Publ, to wirte gnedike Frau håbn

gruse Freid.3 (d am Ende immer t-Laut)

th fehlt: z.B.

Tunçe mr (mir) {sogn / sågn} wann sull ich Inne schikn Werschtel afs

Kónferenzzimr.


[1] Ramon Emeterio Bétancès (1827-1898), puertoricanischer Arzt und Freiheitskämpfer. Im Nachlass Schuchardts existieren acht Briefe Bétancès (Briefe Nr. 00965-00971). Diese werden von Félix Ojeda Reyes und Paul Estrade ediert und erscheinen in Ojeda Reyes / Estrade (in Vorb.).

[2] Am Rand handschriftliche Anmerkung von Schuchardt: „nachgestelltes Subjektspronomen“.

[3] Blumentritts drittes Kind, Sohn Konrad ist am 1. Dezember 1883 geboren.