Nachlass

Der gesamte wissenschaftliche Nachlaß von Hugo Schuchardt ging auf testamentarischen Wunsch des Erblassers an die Universität Graz.

  • Die Bibliothek Schuchardts wurde mit großer Verspätung und bemerkenswerten Bestandsverlusten in die Hauptbibliothek der Universität Graz integriert. Zum Zeitpunkt des Todes umfaßte seine Privatbibliothek ca. 22.000 Bände, zum Zeitpunkt der Übernahme waren es noch ca. 8.000. Schon wenige Wochen nach Schuchardt Tod gab es von deutschen Buchhändlern und Antiquaren Anfragen bezüglich der Möglichkeit, diese Bibliothek, die immerhin mehr als 65 Jahre aktive und beharrliche Forschertätigkeit im Fach abbildete, zu erwerben. Dazu kam es nicht. Die Verluste sind nicht auf Verkauf zurückzuführen, auch nicht auf Diebstahl, denn die wertvollsten Bücher und Manuskripte sind bis heute vorhanden. Die Fehlstände sind wahrscheinlich nicht so gravierend wie oft befürchtet. Zahlreiche Bände sind, wohl aufgrund der Entlehn- bzw. Benutzerpraxis vor der Übernahme und Katalogisierung, bei Kollegen und dann an einzelnen Instituten bzw. Institutsbibliotheken gelandet. Dabei ist sicher vieles abhanden gekommen. Brigitta Weiss (1977, 3. Auflage 1986) hat es unternommen, den Bestand der Hauptbibliothek in einem gedruckten Katalog wenigstens in Ansätzen zusammenzustellen. Es wäre allerdings erfreulich, wenn im elektronischen Bibliothekskatalog der Universität, der ja wiederum die Institutsbibliotheken mit einschließt, die einzelnen Bände als zur wissenschaftlichen Bibliothek Schuchardts zugehörig markiert werden könnten, um damit die virtuelle Rekonstruktion der Schuchardtschen Bibliothek bzw. der davon vorhandenen und nachvollziehbaren Bestände zu erlauben. Dies ist mit relativ geringem Aufwand möglich, weil Schuchardt seine Bücher jeweils mit dem persönlichen rechteckigen "Hugo Schuchardt" Stempel versehen hat. Somit läge als eigenständige Quelle vor, was Schuchardt als Arbeitsmaterial zur Verfügung stand, auch wenn dies nicht mehr mit hunderprozentiger Sicherheit gesagt werden wird können.
  • Handschriftlicher Nachlaß: Zum anderen ging an die Bibliothek ein sehr umfangreicher Manuskriptnachlaß . Dieser ist heute in der Abteilung "Sondersammlungen" der UB Graz als "Nachlaß Hugo Schuchardt" beheimatet und umfaßt seinerseits einen enormen epistolarischen Teil (mehr als 13.000 Briefe und andere Korrespondenzstücke), sowie einen Nachlaß wissenschaftlicher Manuskripte und Materialien. In exemplarischer Form wurden diese Papiere von Michaela Wolf (1993) gesichtet, geordnet und eine ersten wissenschaftlichen Klassifikation und Systematisierung unterzogen. Diese Bearbeitung von Wolf ist die Grundlage aller weiteren Bearbeitungen, wie auch der gegenwärtigen Webseite. Der Abschnitt "Manuskripte" (siehe unten) ist noch im Aufbau; er zielt in weiterer Perspektive darauf ab, die wissenschaftlich relevanten Teile des Werknachlasses im Original und in kommentierter Abschrift zugänglich zu machen und zu kontextualisieren. Bislang war das Projekt allerdings nur punktuell in der Lage, sich dieser großen Aufgabe zu widmen.
  • Volkskundliche Objektsammlung: Zu einigen Gegenstandsbereichen der Volkskunde hat Schuchardt im Rahmen eines von ihm mitbegründeten Forschungsparadigmas, das unter den Begriffen Wörter und Sachen bzw. Sachwortgeschichte in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen ist, selbst Objektsammlungen angelegt (Fischerei, Textilproduktion, Kreisel u.a.). Diese Sammlung steht in einem zwar nicht immer einwandfrei identifizierbaren, aber doch oft sehr sinnfälligen Zusammenhang mit einigen seiner Veröffentlichungen bzw. mit anderen Manuskript- und/oder Briefstellen. Die Objektsammlung lagerte bis in die 50-er Jahre ungeöffnet in der Grazer Universitätsbibliothek und wurde dann ans Museum für Volkskunde in Wien abgetreten. Dort wurde sie mittlerweile inventarisiert und auf Initiative des Hugo Schuchardt Archivs in einem gemeinsamen Projekt mit dem Museum für Volkskunde (gefördert von der Malvinen Stiftung) digital zugänglich gemacht und konzeptualisiert, das heißt, so weit möglich und nachvollziehbar, mit einzelnen Stellen des Brief- und des Manuskriptnachlasses bzw. Schuchardtschen Publikationen verknüpft.