Berufungsakte Professur Halle

Einführung

Vom 1. April 1873 bis 30. September 1876 war Hugo Schuchardt Professor für Romanische Philologie an der Universität Halle. Im Universitätsarchiv in Halle ist kein einschlägiger Personalakt vorhanden (Mitt. vom 28. November 2016), lediglich Senatsprotokolle, die die Diensteinführung Schuchardts belegen. Die Dokumente, auf die die hier gegebene Darstellung baut, stammen zur Gänze aus dem “Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz" in Berlin und tragen dort die Signaturen I /76 Va Sekt. 8, Bd. 10, 11 und 12. Wir danken der Unterstützung von Franziska Mücke.

Aus diesem Grund liegen uns, was den Schriftverkehr von Halle nach Berlin, bzw. Schuchardt - Berlin betrifft, die Originale vor, vom umgekehrten Verkehr, also Berlin - Halle bzw. Berlin - Schuchardt aber in der Regel Abschriften bzw. Entwürfe.

Bereits nach zwei Jahren, also 1875, erhielt Schuchardt einen Ruf nach Graz, den er zuerst ablehnte, nach dessen Erneuerung ein Jahr später er aber annahm und aus dem preußischen Staatsdienst ausschied. Interessant sind hier neben den bürokratischen Papieren v.a. das Gutachten von August Ferdinand Pott im Auftrag der Hallenser Fakultät über Schuchardt, aber auch die Briefe von Schuchardt selbst.

Auch hier ist das Ziel, einen kleinen Baustein zu einer Biographie Schuchardts beizutragen. Um ein wirkliches Verständnis der Hallenser Zeit zu bekommen, sind weitere Dokumente nötig, so zum Beispiel die Briefwechsel mit den Kollegen A. F. Pott (Mücke 2015) und Keil (Hurch 2017), seinem Nachfolger Hermann Suchier (Hurch 2015), aber auch z.B. die Unterlagen aus dem Grazer Berufungsverfahren und den Briefwechsel mit dem Grazer Kollegen Johannes Schmidt, der in Graz seitens der Fakultät in Berufungsfragen mit Schuchardt (bzw. dessen Vater) korrespondiert hat (Hurch & Mücke 2015).


Übersicht


Stellungnahme A. F. Pott für die Fakultät

Halle den 23. Oct. 1872

Ew. Hochwohlgeboren

haben an die Philosophische Facultät unterm 17. Sept. d. J. die Aufforderung gerichtet, Ihnen über Wiederbesetzung der durch Weggang des Hr. Prof. Boehmer erledigten ordentlichen Professur für Romanische Philologie Vorschläge zugehen zu lassen.
Die Facultät ist einer Sitzung, welche durch längere Abwesenheit der, erwähntem Fache am nächsten stehenden Mitglieder verspätet worden, nach eingehender und sorgsamer Erwägung zu dem Beschlusse gelangt,
dem hohen Ministerium den Dr. Hugo Schuchardt, Privatdocenten in Leipzig, dringend als denjenigen zu empfehlen, welcher ihr wie an sich, so auch im Besonderen für die Bedürfnisse unserer Universität, als der allein geeignete und wünschenswerthe erscheint, den erledigten Lehrstuhl für romanische Sprachen und Literaturen wieder einzunehmen; —
und ersuchen wir demgemäß Ew. Hochwohlgeboren ganz gehorsamst um gefällige Mitwirkung, daß diesem unserem Wunsche stattgegeben werde.
Die schriftstellerische Thätigkeit des Dr. Schuchardt hat sich überwiegend auf sprachlichem, auf grammatischem und linguistischem Gebiete fruchtbar erwiesen. Sein Vokalismus des Vulgärlateins (3 Bde Leipz. 1866-68.), was man als eine Art Fortsetzung und Ergänzung des Corssen’schen Werkes ansehen kann, ruht auf der Grundlage einer tüchtigen altclassischen Bildung, und hat ein reiches, mühsam zu sammelndes Material nicht nur mit großem Fleiße zusammengetragen, sondern auch, wenn nicht überall, so doch in einzelnen Parthien, selbständig verwerthet. Von welchem Belange übrigens zu Beherrschung der romanischen Sprachen die Kenntniss der zu ihnen den Uebergang bildenden gemeineren Lateinischen Sprechweise sein müsse, leuchtet von selber ein; und findet überdies deßhalb den Werth der Schuchardt’schen Arbeit auch bei Diez (Gramm. 3. Vorr. I, 4.) die entschiedenste Anerkennung.
Weiter sind die Habilitationsschrift Schuchardt’s (Ueber einige Fälle bedingten Lautwandels im Churwälschen Gotha 1870.) und nicht minder seine Abh. Albanisches und Romanisches (Kuhn’s Ztschr. 1872. 20, 241 sqq.) als nach grammatischem Wissen und in Methode lobenswerth zu bezeichnen.
Hn. Schuchardt’s Auffassung und Behandlung der Literaturgeschichte läßt sich entnehmen aus einigen populären Aufsätzen in der Augsb. Allg. Zeit. Er beschränkt sich dort nicht auf literärgeschichtliche Außerlichkeiten, sondern sucht in |2| den Geist der Werke einzudringen und berücksichtigt ihren ästhetischen Werth, ihre geschichtliche Stellung, und ihren Zusammenhang mit den Kulturverhältnissen. Auch zeugen jene Aufsätze davon, daß ihr Verf. während seines längeren Verweilens unter romanischen Völkern nicht nur die Sprachen, sondern auch Land und Leute scharf und denkend beobachtet hat.
Die Lehrtätigkeit Schuchardt’s anlangend, ist der Facultät bekannt, daß er seit einigen Jahren in Leipzig neben einem berühmten Ordinarius besuchte und gern gehörte Vorlesungen über verschiedene Gegenstände der romanischen Philologie gehalten hat, daß sein Vortrag als klar und frisch gelobt, und daß sein großes Geschick im Sprechen fremder Sprachen und Mundarten gerühmt wird.
Wenn die Facultät überdem noch mit zwei anderen Namen beschäftigt gewesen: so hat sie, nach strenger Prüfung aller bei der Frage in betracht kommenden Umstände, so bei voller Anerkennung alles dessen, was sich zu deren Gunsten Rühmliches sagen läßt, doch nicht umhin gekonnt, von diesen Persönlichkeiten Absehen zu nehmen. Bei Erwägung, daß Grammatik und Linguistik den festen Grund und Ausgangspunct abgeben für jede Art von Philologie, hat die Facultät sich sagen müssen, wie genannter Forderung Dr. Schuchardt in nicht zweifelhafter Weise Genüge leiste, während bei den, sogleich zu erwähnenden Herren von solcher Überzeugung auszugehen sie keinen triftigen Anlaß sieht.
Zuerst nun haben wir auch den Dr. Edmund Stengel, Hallenser von Geburt und von Hn. Prof. Boehmer uns angelegentlich empfohlen, ins Auge gefaßt. Dessen Verdienste, vorzugsweise in Aufsuchung und Herausgabe älterer romanischer Handschriften bestehend, wie anerkennenswerth an sich, schließen doch nicht unbedingt die Gewähr ein für eine erfolgreiche Lehrtätigkeit. Er war erst zu kurze Zeit Privatdocent in Basel, um in gedachter Rücksicht über ihn ein sicheres Urtheil zu haben. […] Veröffentlichung einer Diss. über den Vokalismus des Lat. Elements in den romanischen Dialekten Graubündens und Tirols (Bern 1868) hat Herr Stengel während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Frankreich, England, der Schweiz und Italien, Bibliotheken dieser Länder eifrig durchsucht, und aus ihnen interessante, wichtige und zum Theil bis dahin unbekannte Werke und Stücke entweder schon herausgegeben oder ist mit deren Herausgabe beschäftigt; und sind solche auch mit wichtigen Erörterungen von überwiegend bibliographischem Charakter ausgestattet. So das Buch über das reichhaltige und berühmte Digby-MS. der Bodlejana (cod. Digby descr. excerps. M. E. Stengel, Halle 1871. XIV, 132. S. 8°), so der Abdruck einer provencalischen Liederhandschrift der Laurenziana zu Florenz (in Harrig’s Archiv 1872. Bd. 49.), so die Ausgabe eines umfänglichen „Roman de Durmart” (begonnen in der Bibl. des Stuttg. Lit. Vereins), und noch Anderes, wovon die Facultät Kenntnis erlangt hat, bevor es vor die Öffentlichkeit getreten ist.– Auch giebt von der besonderen literarischen Rührigkeit E. Stengel’s einem neue Kenntnis ein jüngst von ihm mit Manzoni und Monari unternommene Rivista di filologia Romana, worin ein Aufsatz zu ihm: Studi sopra in Canzioneri Provenzali di Firenze e di Roma (8 Seiten) und Documento in Dialetto Sardo dell'anno 1173. enthalten ist.
Dann bekennt die Facultät gern, daß sie ihre Hochschätzuung auch nicht den zwar wenig umfangreichen, doch gehaltvollen Arbeiten des Zürcher außerordentlichen Professors Dr. Groeber versage, welche eine selbständige gründliche und gediegende Forschung, jedoch überwiegend auf dem Gebiete der Literaturgeschichte, bekunden. Seine mit guter kritischer Methode und großem Scharfsinn geführte Untersuchung über Fierabras (Leipz. 1869) hat […] |3| und fruchtbare Ergebnisse geliefert. Seine Abh. über die altfranzösischen Romanzen und Pastourellen (in Lemcke’s Jhb. 1871. 12, 91 ff) hat zuerst den wahren Charakter dieser Dichtungen erfaßt und klar und überzeugend dargelegt. Eine weitere auf Fierabras bezügliche Veröffentlichung steht in naher Aussicht. Auch hat Prof. Groeber, wie uns bekannt, in Zürich sehr günstige Lehrerfolge erzielt.
Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung
Ew. Hochwohlgeboren

gefertigter
A F Pott, in Vertretung des
Decans der philosoph. Facultät

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Vorschlag Fakultät/Kurator an Ministerium zur Berufung Schuchardts

Halle, den 24. October 1872
N. 2040

Betriff die Wiederbesetzung
der ordentlichen Professur für
Romanische Sprachen

An
des Königlichen Staats-Ministers
Minister der geistlichen, Unterrichts-
und Medicinal-Angelegenheiten
Herrn Dr. Falk
Excellenz
zu
Berlin

Die philosophische Fakultät bringt für den durch die Versetzung des Professor Böhmer nach Strassburg erledigten Lehrstuhl für romanische Sprachen in dem s.p.r. beigefügten Dekanatsbericht vom 23. d.M. den Privatdocenten Dr. Hugo Schuchardt in Leipzig in Vorschlag.
Sie gedenkt in ihrem Bericht noch zweier anderer in Betracht kommender Concurrenten, des Dr. Stengel (zur Zeit in Rom) und des außerordentlichen Professors Dr. Groeber |2| in Zürich; allein sie giebt aus den im Bericht erörterten Gründen dem Dr. Schuchardt in dem Maaße den Vorzug, daß sie nur diesen allein in Vorschlag bringen zu sollen glaubt.
Ew. Excellenz bitte ich deshalb gehorsamst, Hochgeneigtest dem Antrage der Fakultät deferiren zu wollen.


Der Curator der Universität
[unterschrieben:] Roedenbeck

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Intervention von ?? für Schuchardt im Ministerium

Ew. Excellenz

wollen gütigst entschuldigen, wenn ich mir gestatte, im Interesse eines hiesigen Staatsangehörigen Ihre Zeit für einige Augenblicke in Anspruch zu nehmen.

Dem Vernehmen nach ist der jetzige Dozent an der Universität Leipzig, Dr. Hugo Schuchardt von hier, von der philosophischen Facultät in Halle zur ordentlichen Professur für die romanische Lehrkanzel in Vorschlag gebracht worden.

Während nun die wissenschaftliche Qualifikation des Vorgeschlagenen wohl bereits auf anderem Wege festgestellt seyn wird, bin ich in der Lage, ihm in moralischer Beziehung |2| ein durchaus günstiges Zeugniß ertheilen zu können, und habe, da ihm dasselbe wirklich von einigem Nutzen seyn könnte, auf den Wunsch seiner mir näher bekannten Eltern nicht unterlaßen mögen, Ew. Excellenz mit dieser Zuschrift zu behelligen, für die ich mir nochmals Ihre Nachsicht erbitte.

Mit wahrem Vergnügen aber ergreife ich die Gelegenheit, mich in die freundliche Erinnerung Ew. Excellenz zurückzurufen und die Versicherung der ausgezeichnetsten Hochachtung zu erneuern, mit der ich zu verharren die Ehre habe.

Ew. Excellenz

ergebenster

[Unterschrift]

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Abschrift: Rufangebot

Cito!

Berlin, den 13ten November 1872

An den Privatdocenten Herrn Dr. Hugo Schuchardt Wohlgeb.
in Leipzig


ad U. 35306.K 35327.


Die philosophische Facultät der Universität zu Halle hat den Wunsch ausgesprochen, Ew.– zu der bei ihr erledigten ordentlichen Professur der romanischen Sprachen berufen zu sehen. Ich nehme davon Veranlassung die Anfrage an Sie zu richten, ov Sie dieses Amt zu übernehmen geneigt sind. Eine Besoldung von == 1200- jährlich kann ich in Aussicht stellen.
Da zu wünschen ist, daß der erledigte Lehrstuhl so schleunig als möglich wieder besetzt werde, würde es mir angenehm sein, einer zustimmenden Erklärung Ihrerseits baldigst entgegen sehen zu dürfen. [seitlich:] g.g.B. == 1200- ist der bisherige Betrag der Besoldung des Professors der rom. Sprachen in Halle.
Gern benutze ich die Gelegenheit Ew. meiner Hochachtung zu versichern.

Der Kön. Pr. Minister p.

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Abschrift der Rufannahme durch Schuchardt

Beglaubigte Abschrift.

Leipzig, den 18. November 1872.

Hochzuverehrender Herr Staatsminister!

Der von Ew. Excellenz unter dem 13.d. M. an mich gerichtete ehrenvolle Antrag hat mich mit grösster Genugthuung erfüllt und beeile ich mich, meine bereitwillige Annahme desselben zu erklären. Durch die Berufung auf den Lehrstuhl für die romanischen Sp[r]achen an der Universität Halle wird mir ein Wirkungskreis eröffnet, wie er meinen Wünschen vollständig entspricht, und werde ich alle Kräfte aufbieten, um meinerseits das in mich gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Indem ich für dieses Ew. Excellenz meinen wärmsten Dank sage, verharre ich in grösster Ehrerbietung
Ew. Excellenz
ergebenster
(gez.) Dr. Hugo Schuchardt.

Für die richtige Abschrift etc.

[Original zu der Autographen Sammlung
Darmstaedter b.d.Kgl.Biblioth.genommen.]

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Bestallung: Entwurf

1) Bestallung
für den bisherigen Privatdocenten an der Universität zu Leipzig Dr. Hugo Schuchardt als ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg

Herr G. O. R. Rts Dr. Olshausen
Herrn G. O. R. Rts Dr. _Vinerk z. g. M.

Wir Wilhelm von Gottes Gnaden König von Preußen, thun kund und fügen hiermit zu eröffnen, daß Wir den bisherigen Privatdocenten an der Universität zu Leipzig Dr. Hugo Schuchardt zum ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg Allergnädigst ernannt und angenommen haben, unter der Bedingung, daß derselbe Uns und Unserem Königlichen Hause jederzeit treu und eifrig ergeben bleibe, insonderheit das ihm anvertraute Lehramt fleißig wahrnehmen, zu dem Ende die studierende Jugend durch Vorträge formahl als Examina und Disputier-Uebungen unterrichte, alle halbe Jahre ein Collegium über einen Zweig der von ihm zu lehrenden Wissenschaften unentgeltlich lese, sowie auch für jedes Semester mindestens eine Private Vorlesung in seinem Fache ankündige, bei den in der Fakultät und im Senate vorkommenden Bewerthungen sein Votum jederzeit nach reiflicher Ueberlegung abgebe, und sich nebst seinen Collegen die Aufnahme und das Beste der Universität aufs äußerste angelegen sein lasse überhaupt aber sich so betrage wie |2| es einem getreuen und geschickten Königlichen Diener und Professor wohl ansteht und gebührt. Für die von ihm zu leistenden treuen Dienste soll derselbe aller, in dieser Eigenschaft ihm zustehenden Prärogative und Gerechtsamen sich zu erfreuen und das ihm bewilligte Gehalt zu beziehen haben. Urkundlich haben wir diese Bestallung Allerhöchst vollzogen und mit Unserem Königlichen Insiegel bedrucken lassen.
So geschehen und gegeben zu
den ten

Zur Allerhöchsten Vollziehung Seiner [Kaiserlichen und] Königlichen Majestät
ad contrasign.

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Entwurf zur Rufempfehlung für Schuchardt

Berlin den 5.ten December 1872.
Seine Majestät der Kaiser und König.

Die philosphische Facultät in Halle hat unter Befürwortung des Curators Geheimen Ober-Regierungsrathes Dr. Roedenbeck für die bei ihr durch Berufung des Professors Dr. Boehmer an die Universität Strassburg zur Erledigung gekommene ordentliche Professur der romanischen Sprachen in erster Linie den Privatdocenten an der Universität zu Leipzig Dr. Hugo Schuchardt in Vorschlag gebracht, der bereit ist, die Stelle zu übernehmen.
Dr. Schuchardt aus Gotha gebürtig, |3| ist nach Allem, was über ihn zu meiner Kenntniß gekommen, ein junger Gelehrter von achtungswerthem Charakter und gründlicher Bildung; er hat sich durch eine Reihe schriftstellerischer Arbeiten auf sprachlichem, grammatischem und linguistischem Gebiet vortheilhaft bekannt gemacht und seit einigen Jahren in Leipzig neben einem berufenen Ordinarius besuchte und gern gehörte Vorlesungen über verschiedene Gegenstände der romanischen Philologie gehalten.
Ich trage hiernach kein Bedenken, Ew. Kaiserliche und Königliche Majestät allerunterthänigst zu bitten,
durch huldreiche Vollziehung der ehrfurchtsvoll beigefügten Bestallung den Privatdocenten Dr. Hugo Schuchardt in Leipzig zum ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der Universität zu Halle Allergnädigst ernennen zu wollen.
:| Namens S. Excellenz.|:

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versch. Entwürfe/Dokumente zur Bestallung

Bestallung
für
den bisherigen Privatdocenten an der Universität zu Leipzig Dr. Hugo Schuchardt
als
ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der Universität Halle-Wittenberg
d.d. Berlin den 6tehn Dezember 1872


Berlin den 23.ten December 1872.

1. An
den Privatdocenten Herrn Dr. Hugo Schuchardt
Wohlgeboren in
Leipzig
Rekommandiert!

Herr G. O. R. RG Dr. Olshausen
Herrn G. O. R RG Dr. Vinerk z. g. M.

Tag dem Abgang
1. an die Universitäts-Dentrale
2. = = Geheime Calculatur

Bekanntmachung :|am 1. Febr. 1873 zu informieren|:
für den Staatsanzeiger und das Centralblatt.
Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht, den bisherigen Privatdocenten Dr. Hugo Schuchardt in Leipzig zum ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der Universität in Halle zu ernennen.

2,
den könig. Universitäts-Curator Herrn Geheimen Ober-Regierungsrath Dr. Roedenbeck
Hochwohlgeboren


Cito !

Es ist mir angenehm, für unter Bezugnahme auf Ihre Erklärung vom 18ten v. M¬¬ts. hierdurch benachrichtigen zu können, daß Seine Majestät der Kaiser und König, mein Allergnädigster Herr, Sie auf meinen Antrag zum ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der Universität in Halle zu ernennen und die darüber ausgefertigte Bestallung unter dem 6ten d. Mts. zu vollziehen geruht haben. Demzufolge ersuche ich Sie, das Ihnen verliehene für die Vertretung der romanischen Sprachwissenschaft Lehramt mit Beginn des nächsten Semesters anzutreten und das Verzeichnis der in demselben von Ihnen beabsichtigten Vorlesungen schleunigst an den Decan der philosophischen Facultät einzusenden.
Der Herr Curator der Universität Halle ist von Ihrer Ernennung zur Mittheilung an die betheiligten akademischen Behörden in Kenntniß gesetzt und beauftragt, die Ihnen bewilligte Besoldung von jährlich 1200 M vom 1t. April 1873 ab in vierteljährlichen Raten pränumerando zahlen zu lassen und Ihnen die Bestallung nach Ihrem Eintreffen in Halle zu behändigen.
der k. Pr. Minister pp


Auf den Bericht vom 24t. October c. 12 c. 2040 benachrichtige ich Ex.p., daß Seine Majestät der Kaiser und König |2| auf meinen Antrag als Ersatz für den Professor Dr. Boehmer den bisherigen Privatdocenten Dr. Hugo Schuchardt in Leipzig zum ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der Universität Halle zu ernennen und die darüber ausgefertigte Bestallung unter dem 6. d. Mts. etc.

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Brief Schuchardt: Gehaltsverhandlungen zur Rufabwehr 1875

Ew. Exzellenz

bin ich für die vor einigen Jahren empfangene Verleihung der ordentlichen Professur für romanische Sprachen an der Universität Halle nach wie vor zu aufrichtigstem Danke verpflichtet. Obgleich ich nun demgemäß auf meinem Posten auszuharren geneigt sein würde und obgleich meiner Geburt sowohl wie viele andere geistige und äußere Beziehungen mich zunächst an Norddeutschland knüpfen, so möchte es doch verzeihlich sein, daß ich gegen die Vortheile, welche mir durch eine an mich ergangene Berufung nach der Universität Gratz geboten worden, nicht gleichgültig bin.
Ew. Excellenz lege ich (mit der gehorsamsten Bitte um Rückgabe) die im Namen des k. k. Staatsministeriums für Kultur und Unterricht zu Wien an mich ergangene Zuschrift vom 4. d. M. mit dem Ersuchen vor, mir hochgeneigtest eröffnen zu wollen, ob mir |2| für den Fall, daß ich in meiner bisherigen Stellung bleibe, eine Gehaltserhöhung bewilligt werden würde und welche dann dadurch würden zunächst meine weiteren Entschließungen bedingt sein.
Daß ich mich - mit Umgehung der ordentlichen Instanzenzuges - direkt an Ew. Excellenz zu wenden wage, mag doch der Umstand entschuldigt werden, daß ich binnen Kurzem dem k. k. Ministerium eine bestimmte Erklärung abgeben muß; weßhalb ich auch um eine baldmöglichste Schlußfaßung gehorsamst nachsuche.
In schuldiger Ehrerbietung

Dr. Hugo Schuchardt
ord. Prof. an der Universität Halle

Halle 10. Aug. 1875


Da ich wegen einer Studienreise nach England zunächst keinen bestimmten Ort, wo mich eine Zuschrift treffen könnte, anzugeben vermag, so bitte ich eine solche unter der Adresse: Justizrat Dr. Schuchardt in Gotha an mich abgehen zu lassen.

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Entwürfe des Ministers zur Rufabwehr 1875

Seine Excellenz haben dem ordentlichen Professor Dr. Schuchardt bei der philosoph. Fac. der Universität Halle in Rücksicht auf die zugesagte Ablehnung eines ihm zugegangenen Antrags zur Übernahme einer ord. Professur an der Universität Gratz eine Gehaltserhöhung von 1350 M jährlich vom 1. October 1875 ab bewilligt, welche aus den disponiblen Mitteln des Besoldungsfonds der Univ. Halle zu bestreiten ist.
Exped. das Erforderliche.
G 11/8


Berlin den 18 August 1875.
An den Kgl. Univers. Curator
Geh. Ob. Reg. Rath Dr. Roedenbeck
Hochwohlgeboren
zu Halle adS.
1. an die Univers. Centrale
2. an die Geh. Calculatur
3. an Herrn Reg. Rath Lauer zur Notiz

Dem ordentlichen Professor Dr. Schuchardt bei der philosophischen Facultät der dortigen Kgl. Universität habe ich in Rücksicht auf die zugesagte Ablehnung eines im zugegangenen Antrages zur Übernahme einer ordentlichen Professur an der Universität zu Gratz eine Gehaltszulage von 1350 Mark – Eintausend dreihundert fünfzig Mark – |2| jährlich vom 1 October d.J. ab bewilligt.
Ew. pp benachrichtige ich hiermit mit der Veranlassung, diese Zulage aus den disponiblen Mitteln des Besoldungsfonds der Kgl Universität zahlen zu lassen und die Universitätskasse mit entsprechender Anweisung zu versehen. Den p. Schuchardt habe ich von der Bewilligung unmittelbar in Kenntniß gesetzt.

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2. An
den ordentlichen Professor Herrn Dr. Schuchardt
Wohlgeboren zu Halle adS

Adressar: den Justizrath Herrn Dr. Schuchardt
Wohlgeboren zu Gotha.

Ew. pp benachrichtige ich auf das Schreiben vom 10. d. M., daß ich Ihnen in Rücksicht auf die zugesagte Ablehnung eines Ihnen zugegangenen in Rücksicht auf die zugesagte Ablehnung eines Ihnen zugegangenen Antrages zur Übernahme einer ordentlichen Professur an der Universität zu Gratz eine Gehaltszulage um 1350 Mark vom 1 October d. J. bewilligt habe.
Der Minister pp
J.M.

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Brief Schuchardt zur endgültigen Entlassung in Halle/Rufannahme in Graz

Bad Nassau bei Ems
den 16. Juni 1876

Euer Hochwohlgeboren !

Nachdem mir von Seiten des hohen Staatsministeriums im Laufe des vorigen Jahres eine Gehaltszulage bewilligt worden war, hatte ich die an mich ergangene Berufung nach der Universität Graz abgelehnt. Es geht daraus hervor, wie sehr ich das Glück zu schätzen weiß an einer Universität, wie Halle es ist, wirken zu können.
Da ich aber inzwischen immer mehr von Nachtheil fühlte, welchen das Klima |2| von Halle auf meinen Gesundheitszustand ausübte, und auch von ärztlicher Seite mir gerade in dieser Hinsicht Graz als heilsam empfohlen wurde, so bin ich zu Anfang dieses Jahres von Neuem in Verhandlungen mit dem östreichischen Kultusministerium eingetreten und habe nun den Ruf nach gedachter Universität endgültig angenommen.
Um Mißdeutungen vorzubeugen, bemerke ich, daß meine pekuniäre Lage – besonders wenn man die östreichischen Pensionsverhältniße in Betracht zieht – sich keineswegs verbessern, ja eher verschlechtern wird; ich erhalte nur ein Geringes mehr, als mir gleich anfangs angeboten worden war. Ew. Hochwohlgeboren würde mich sehr verpflichten, diesen Punkt ausdrücklich hervorzuheben.
Es ist mit sehr peinlich, daß derselbe Grund, |3| welcher mich zum Aufgeben meiner bisherigen Stellung bewogen hat, mich nachträglich zwint, die mit ihr verbundene Thätigkeit noch während dieses letzten Semesters auszusetzen. Denn ich habe so eben eine Cur angetreten, deren Dauer sich auf mindestens zwei Monate belaufen wird. Aber ich denke, Niemand kann mir die Verantwortlichkeit für dieses unglückliche Zusammentreffen aufbürden.
Demgemäß richte ich an Ew. Hochwohlgeboren das ergebenste Gesuch, (zugleich mit meiner Urlaubsverlängerung) meine Entlassung aus dem preußischen Staatsdienst zum 1. Oktober befürworten und einem hohen Ministerium die Versicherung meiner wärmsten Dankbarkeit für mir bewiesenes Vertrauen und Wohlwollen und meiner treuen Anhänglichkeit an mein norddeutsches Vaterland und insbesondere an dessen wissenschaftliche Einrichtungen ausdrücken zu wollen.

Mit ausgezeichneter Hochachtung
Ew. Hochwohlgeboren
ergebenster
Hugo Schuchardt

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Universitätskurator: Empfehlung ans Ministerium zur Entlassung aus Staatsdienst

Der Königliche Curator
der vereinigten Friedrichs-Universität
Halle-Wittenberg
J. No. 1830.
Halle, den 21. Juni 1876.

Betrifft die von Professor Dr. Schuchardt
erbetene Entlassung aus dem
Preußischen Staatsdienst.

An den Königlichen Staatsminister,
Minister der geistlichen pp. Angelegenheiten
Herrn Dr. Falk
Excellenz
Berlin

Der Professor Dr. Schuchardt hat laut des gehorsamst beigefügten Schreibens vom 16/9 d.M. einen Ruf an die Universität Gratz endgiltig angenommen und deshalb seine Entlassung aus dem Preußischen Staatsdienst zum 1. October nachgesucht.
Der ihm von Ex. Excellenz mittelst hohen Rescripts vom 13. d.M. No 3245 UT ertheilte 4 wöchentliche Nachurlaub läuft mit dem 26. Juni ab, indessen ist p. Schuchardt, wie aus obigem Schreiben sich ergiebt, durch die von ihm angetretene 2 monatliche Cur verhindert, seine Amtsthätigkeit in diesem Semester aufzunehmen, was auch ohnehin zu spät sein würde.
Ew. Excellenz bitte ich deshalb gehorsamst, hochgeneigtest
1. den Professor Dr. Schuchardt für das laufende Sommersemester unter Belassung seines vollen Gehalts zu beurlauben
und
|2| 2. ihm zum 1. October die gewünschte Entlassung aus dem Preußischen Staatsdienst erwirken zu wollen.
Rektor und Senat, sowie die philosophische Fakultät habe ich von dem Gesuch des p. Schuchardt in Kenntnis gesetzt und letztere zu Vorschlägen wegen anderweiter Besetzung der Stelle aufgefordert.

Roedenbeck

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Entwurf: Dimissoriale

1. Dimissoriale
für
den ordentlichen Professor an der
Universität zu Halle
Dr. Hugo Schuchardt

Berlin, den 7ten Juli 1876
2. An
Seine Majestät den Kaiser und König

Wir, Wilhelm
von Gottes Gnaden, König von Preußen, thun kund und fügen zu wissen, daß Wir Unserm ordentlichen Professor an der Universität zu Halle Dr. Hugo Schuchardt die nachgesuchte Entlassung aus Unserm Staatsdienste in Gnaden und unter Bezeigung der Zufriedenheit mit seiner Dienstführung zu ertheilen geruht haben.
Urkundlich haben Wir dieses Dimissoriale Allerhöchst Selbst vollzogen und mit Unserm Königlichen Insiegel versehen lassen.
Gegeben den 1876

(Zu Sr. Kaiserl. und Königl. Majestät Allerhöchster Vollziehung unter Gegenzeichnung.)

Der ordentliche Professor der romanischen Philologie an der Universität zu Halle Dr. Hugo Schuchardt hat einen Ruf an die Universität Graz zum 1. October d.J. angenommen und in Folge dessen um die Ent- |2| lassung aus Ew. Kaiserlichen und Königlichen Majestät Diensten gebeten.
Ein Versuch, ihn dem Preußischen Staatsdienst zu erhalten, erscheint nicht angängig, nachdem ich bereits im vorigen Jahre ihm eine erhebliche Gehalts-Erhöhung bewilligt habe, als ihm dieselbe Professur angetragen worden war, sodaß ich erwarten durfte, daß er, seinen danach langen Erklärungen entsprechend, sich an die Universität Halle dauernd gebunden versten würde. Da im Übrigen gegen die Gewährung seiner jetzigen Bitte kein Bedenken obwaltet, so trage ich in tieffster Ehrfurcht darauf an,
Ew. Kaiserliche und Königliche Majestät wollen geruhen, durch Huldreiche Vollziehung der beigefügten Dimissoriale dem […] Schuchardt die Entlassung aus seinem seitherigen Dienstverhältniß in Gnaden zu ertheilen.
./. Namens Sr. Excellenz ./.

Für den Minister der Angl.
gez. Graf z. Eulenburg

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Mitteilung der Dimissoriale an Kurator

An
den königlichen Universitäts-
Curator Herrn Geheimen Ober-
Regierungsrath Dr. Roedenbeck
Hochwohlgeboren
zu
Halle a/S.
etc.

Nachdem Seine Majestät der Kaiser und König auf meinen Antrag dem ordentlichen Professor in der dortigen Universität Dr. Hugo Schuchardt seinem Ansuchen gemäß die Entlassung aus dem gegenwärtigen Dienstverhältniß vom 1. October ab zu ertheilen geruht haben, übersende ich Ew. /Tit./ das darüber ausgefertigte Allerhöchst vollzogene Dimissoriale mit der Veranlassun dasselbe vo Schuchardt gegen Einziehung von 1,50 M für den zu den Curatorial. zu behändigen, von seinem Ausscheiden den betheiligten akademischen Behörden Nachricht zu geben und die Zahlung des Gehalts pp. vom 1. October ab einstellen zu lassen.
Unter Bezugnahme auf den Bericht vom 21 v. Mts. No 1830 sehe ich der Einreichung der von der philosophischen Facultät schleunigst zu machenden |2| Vorschläge wegen Wiederbesetzung der erledigten Stelle durch Ew. /Tit/ Vermittelung demnächst entgegen.
Der Minister pp.
F.R.
[Unterschrift]

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